Author: Experte
•06:37
Bäderarchitektur mit tieblauen Rügen-Himmel - Foto: Ralf Eppinger

Der September im Zeichen der Bäderarchitektur

Abschlusswochenende - Ufa-Stars zu Besuch bei den Diven von Binz


Ostseebad Binz. Lautes Hupen, drängelnde Autogrammjäger, Blitzlichtgewitter. Eine Limousine mit Chauffeur hält auf der Strandpromenade von Binz. Das Traumpaar des deutschen Films, Willy Fritsch und Lilian Harvey, gibt sich im Dünenhaus die Ehre. Es ist 1930 und 2013 zugleich. Denn wenn am 28. und 29. September die schönsten Villen im Stil der Bäderarchitektur ihre Türen öffnen, erwartet die Besucher eine Reise in die bewegte Vergangenheit des Dünenhauses und der anderen steinernen Diven von Binz. Die Bäderarchitektur-Villen im Ostseebad Binz. 

Wenn sie sprechen könnten, würden sie Geschichten erzählen von einer wechselvollen Zeit. Als hinter ihren Mauern glanzvolle Feste gefeiert wurden und Filmstars und Großindustrielle auf den verzierten Holzveranden saßen. Aber auch von zwei Weltkriegen und der DDR-Zeit, als die Villenbesitzer enteignet wurden. Am letzten Wochenende im September – zum Finale des „Monats der Bäderarchitektur“ – wird die Vergangenheit der schönsten Villen lebendig gemacht. Jeder ihrer Besitzer hat sich dafür eine Aktion einfallen lassen, die die Geschichte seines Hauses ganz individuell widerspiegelt. In den Vorgärten der Villen an der Strandpromenade werden Schauspieler der Hinterlandbühne Rügen in historischen Kostümen die Entwicklung zum mondänen Seebad wieder lebendig werden lassen. So erzählt beispielsweise ein Badearzt in der Villa Haiderose, wie man sich zu seiner Zeit streng getrennt nach Damen, Herren und Familien „der Lust des Badens hingab“. 

In der benachbarten Villa Baltik von 1888 berichtet der Baumeister der Villa von der bewegten Geschichte des Hauses und des einstigen Besitzers Adalbert Kaba-Klein, einem jüdischen Kaufmann, der 1920 auch das legendäre Kurhaus für 165.000.000 Reichsmark von der verschuldeten Gemeinde Binz erwarb. Und im Dünenhaus fährt eine Limousine mit Chauffeur vor. Willy Fritsch und Lilian Harvey werden, belagert von Papparazzi und Autogrammjägern, vom Concierge in Empfang genommen. Dazu gibt es Hausgeschichten und kulinarische Kostproben. Im Haus Colmsee wird die „Aktion Rose“ nachgestellt, vor genau 50 Jahren wurden die Villen zu sozialistischem Staatsbesitz gemacht, und ihre Eigentümer flüchteten gen Westen. Ab 19 Uhr werden in der Bar der Villa Salve Cocktails gemixt, die die Besitzerin Gräfin von Kreis um 1900 herum ihren zahlreichen Gästen servieren ließ: Mint, Brandy Julep, Tom Collins und Gibson. 

Barkeeper Bernd Beyer – inselweit bekannt für seinen Fundus an Anekdoten und kurzweiligen Geschichten – serviert dazu einen Rückblick auf die Historie der Cocktails. Am Samstag wird darüber hinaus im Restaurant der Villa ein „Menü Belle Epoque“ serviert. Bei Wein, Kuchen und Kunst in der Galerie Klünder erzählt Michael Gronegger, Banker aus Bayern, wie seine Familie sechs Jahre nach dem Mauerfall Haus Klünder zurückbekam und er bei der Sanierung den alten Weinkeller wiederentdeckte. Dazu gibt´s Anekdoten über seinen Vorfahren, den Landwirt und Dorfkrugbesitzer Wilhelm Klünder, der 1880 das erste Hotel mit Meerblick bauen ließ. Weiteres Highlight: Führungen durch den legendären Kurhaus-Saal im Stil der Goldenen 20er Jahre, wo sich der Geldadel und Künstler seinerzeit zu rauschenden Ballnächten trafen. 

Die Teilnahme an einer Führung kostet vier Euro, die Personenzahl ist begrenzt. Karten sowie ein Informationsheft zum Abschlusswochenende sind an der Touristinformation im Haus des Gastes erhältlich.
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